raumkontor
Innenarchitektur

Farbpreis

Nominierung für den Architekturpreis Farbe, Struktur, Oberfläche 2012

Schon längst ist Farbe im Raum kein Tabu mehr. Sie darf sein. Dazu ist begründend das ein oder andere Goethe- Wort schnell herbeizitiert, auch die Farbpsychologie trägt Gemütserhellendes bei und unser Sprachgebrauch ist voll von metaphorischer Farb- Poetik.
Gemeint ist aber immer die zurücktretende, nur Hintergrund bildende Farbe. Die Farbe, die kein Recht anmeldet auf eine eigene Position. Die Farbe, die die Form bekleidet. Die Farbe, die man auch übersehen kann. Erlaubt ist die Farbe, die in die zweite Reihe zurücktritt.
Ganz anders verhält es sich in den Räumen der MANUS KLINIK in Krefeld. Hier ist die Farbe frei, hat sich emanzipiert und ein selbstbestimmtes Eigenleben entwickelt.

„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins.“

Als der Maler Paul Klee dies glückstaumelnd in seinem Tagebuch notierte, da stand er zwar nicht in Krefeld, sondern war regelrecht elektrisiert und neu zum Leben erweckt durch die anregende Erlebnisintensität der Märkte und Cafés in Tunis. Die kaum zu bändigende neue Energie, die er auf dieser Reise tankt, ist den Sätzen aber abspürbar – eine neue Vitalität durch die Kraft der Farbe.
Und dieses Glücksgefühl steckt an, lässt Menschen aus sich heraus und auf andere zugehen – all das bewirkt Farbe, wenn man ihr Raum zubilligt. Der Raum selbst wird lebendig, fließt vom einen zum nächsten Farbfeldensemble, wird leicht und durchgängig. Das Farbkonzept trägt und erträgt viel – es nimmt die ein oder andere Verbautheit der Substanz gelassen hin und bindet sie galant ein in das Gesamte.
Die Vielfalt der Farben hat etwas spielerisch Unbekümmertes – aber dieser Leichtigkeit der Ausstrahlung liegt ein minutiöses Kalkül zugrunde. Jede Fläche ist präzise definiert und räumlich ausgewogen verortet. Die Einzelfarben sind zu Gruppierungen verwoben; sie bleiben in diesen zwar lesbar, sind aber doch auf einen Gesamtklang ausgerichtet. Durch Farbverknüpfungen verbinden sich diese Arpeggien über die Räume hinweg zu einem Farbklangnetz mit unterschiedlichen Zentren.
Gesundet man in solchen Räumen? Aber sicher: sie wecken die Lebensgeister, sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter, sie geben Kraft und bilden die perfekte Ergänzung zum medizinischen Können der behandelnden Ärzte.
Und außerdem, das sei nicht völlig unterschlagen, gibt es auch noch jede Menge Ärzte, die das ihre dazu beitragen.
In sofern zeigt die MANUS KLINIK Wirkung auf unterschiedlichsten Ebenen – dass man sie nicht vergisst, braucht eigentlich keiner Erwähnung.

Die Klinik befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1890 und ist auf ambulante und kurzstationäre Operationen spezialisiert. Das Raumprogramm umfasst neben den Räumlichkeiten für die Untersuchungen und die Vorgespräche einen OP- Trakt mit zwei Operationssälen und einen Klinikbereich mit Patientenzimmern.